Viele Menschen können nicht loslassen. Das liegt daran, dass die Blockade dahinter nicht gelöst ist.

Jemand hat dir schon mal gesagt, dass du loslassen musst. Alte Sachen hinter dir lassen und von neuem beginnen. Auch wenn du dich so sehr bemühst, nicht mehr an die alten Dinge zu denken. Sie kommen doch immer wieder hoch. Du machst immer wieder die gleichen Fehler und denkst, dass du dich nicht vom Fleck rührst.

Das sind klare Anzeichen, dass das Grundübel nicht gelöst ist. Und das ist meist ein starkes negatives Gefühl. Weil du etwas erlebt hast, das die Seele nicht verarbeiten konnte.

Schritt 1: Der Realität ins Auge blicken

Das Loslassen von der Vergangenheit ist wesentlich leichter für dich, wenn du deine Sichtweise verändern kannst.

Akzeptiere was ist, las los was war und hab Vertrauen in das was wird

Und nein, ich werde dir hier nicht die 3 Fragen der Sedona-Methode stellen. Das können andere viel besser.

Denn ganz ehrlich, was nützt es dir, wenn du dich fragst:

„Kann ich das Gefühl für diesen Augenblick akzeptieren?“

Dann kommt entweder ja oder nein. Beides ist zulässig. Du kannst es vielleicht in diesem Augenblick akzeptieren. Aber nach dem jetzigen Augenblick folgt der nächste. Und was ist dann?

Die Sache im Hintergrund bleibt allerdings unberührt. Das Loslassen funktioniert so nicht.

Deine Wut, deine Angst, dein Liebeskummer oder dein Zorn wird nicht einfach so verschwinden. Er kommt zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück.

Das blockierende Gefühl hat dich fest im Griff und du hast keine Wahl mehr. Du bist ausgeliefert.

Es geht nicht darum, dass du ein Gefühl annimmst. Sondern darum, dass du es realisierst. Du musst die Wirklichkeit erkennen. Und erst dann kannst du die Sichtweise verändern. Die Situation oder das unerwünschte Gefühl soll neu bewertet werden.

Für Menschen, die nicht loslassen können: Verändere die Sichtweise

Es gibt immer wieder Menschen, die nicht loslassen können. Auch wenn sie es wirklich möchten. Irgendetwas hält sie zurück. Die gute Nachricht: Du kannst trotzdem loslassen. Du brauchst nur eine andere Übung davor zu machen.

Wenn du die Sichtweise verändern kannst, wirst du frei werden.

Kennst du Thomas Geiersbichler? Er sitzt seit einem Verkehrsunfall im Rollstuhl. Er litt lange Zeit darunter. Und hat schließlich den Weg zurück gefunden. Er ist unter anderem Paraolympiasieger im Rollstuhlfahren.

Er hat in einem ORF Interview (Frühstück bei mir) sinngemäß einmal gesagt: „Du musst zuerst die Wirklichkeit realisieren. Das Realisieren geht weit über das Akzeptieren hinaus.“

Du erkennst dadurch was Wirklichkeit ist. Beim Akzeptieren besteht immer die Gefahr sich etwas vorzumachen. Wenn du etwas realisierst, dann erkennst du die Wirklichkeit.

Thomas Geierspichler weiß genau, was es heißt, eine physische Behinderung zu überwinden und ein schweres Trauma in positive Energie, Lebensfreude und Erfolgswillen umzupolen.

Und so ist es auch mit psychischen Behinderungen. Ein jedes psychische Trauma hinterlässt eine Beeinträchtigung. Du bist aufgrund psychischer Einschränkungen (rot werden im Gesicht, Stottern vor anderen Menschen usw) in deinem Potential behindert.

Der kochende Wassertopf

Wenn manche nicht loslassen können, dann ist das so ähnlich wie mit einem kochenden Wassertopf. Der Topf befindet sich auf der heißen Herdplatte.

Die Herdplatte steht symbolisch für das Unterbewusstsein.

Das Wasser beginnt zu kochen und der Topf läuft über. Was machst du als erste Reaktion? Du schüttest kaltes Wasser (= die Loslassübungen) hinein. Das Wasser beruhigt sich wieder.

Doch es dauert nicht lange, bis es wieder zu kochen beginnt. Du schüttest wieder kaltes Wasser hinein. Das machst du so lange, bis kein Wasser mehr Platz hat. Der Topf läuft über und du hast das Malheur am ganzen Herd (im gesamten Unterbewusstsein).

Was wäre für den Wassertopf die Lösung? Genau! Entweder die Herdplatte ganz abschalten oder zumindest die Temperatur reduzieren.

Schalte den Herd einfach aus

Versuche das negative Gefühl oder Geschehen zu realisieren. Versuche die Wirklichkeit zu erkennen. Dir ist das jetzt passiert. Und dieses Geschehen hat negative Gefühle in dir verursacht. Es hat etwas mit dir gemacht. Es ist dein Baby. Ob du es willst oder nicht.

Lade die Gefühle in deinem Inneren ein. Wie einen Gast, der ungemütlich ist, den du aber nicht loswirst. Lade den Gast in dein Wohnzimmer ein und frage ihn was er den möchte. Vielleicht hat er sogar eine ganz wichtige Botschaft für dich. Womöglich kannst du von ihm ganz viel lernen.

Die folgende Coachingübung wird dir helfen das Ursprungsproblem besser zu verarbeiten. Ziel ist es eine andere Sichtweise zu bekommen. Nur so kannst du wirklich loslassen.

Nicht loslassen können: die Jammertalmuster

Kennst du das Jammertal? Nein?

Ich werde dir davon erzählen.

Bis heute habe ich noch keinen Menschen getroffen, der nicht schon mal im Jammertal war. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir anscheinend dieses Tal der seelischen Wüste durchlaufen müssen.

Doch Vorsicht: Nur die wenigsten finden hier von alleine wieder heraus.

Im Jammertal befindest du dich, wenn du keinen Ausweg mehr siehst. Wenn die anderen Schuld sind an deinem Problem. Alles ist schlecht. Im Jammertal gibt es keine Perspektiven und der Weg raus ist nur schwer zu finden.

Im Jammertal gibt es 3 Muster: „Flüchten“, „Anpassen“ oder „Angreifen“. In diesen Zuständen wird das „Reptiliengehirn“ in uns aktiviert. Das Reptiliengehirn heißt in Wirklichkeit „limbisches System“ und ist das älteste Gehirnareal bei uns Menschen. Hier sind unsere Urinstinkte abgespeichert. Bei Gefahr werden im limbischen System folgende Muster aktiviert:

  • Flüchten: die Situation verlassen
  • Anpassen: sich klein machen, um nicht aufzufallen
  • Angreifen: Abwehren und Einschüchtern

Jedes dieser Verhaltensmuster ist in bestimmten Situationen gut und nützlich. Sie sind nicht nur schlecht.

Der Fluchttyp:

Wir wollen so schnell wie möglich die Situation verlassen. Typische Beispiele für den Fluchttyp sind:

  • Das Gespräch abrupt beenden
  • Teilnahmslos am Gespräch und immer wieder wegschauen
  • Immer, wenn es ungemütlich wird, davonlaufen
  • Wenn du den Job nicht kündigen kannst, dann kündigst du innerlich
  • Reserviert und abweisend sein
  • Bestimmten Menschen aus dem Weg gehen

Der Anpassungstyp:

Einige Menschen verstehen es sich anzupassen. Sie können nicht flüchten und beginnen die Situation zu akzeptieren. Typische Beispiele:

  • Ja-Sager – sie meinen Nein, sagen aber Ja
  • Du hast eine Meinung, traust sie aber nicht zu sagen. Du übernimmst die Meinung des anderen, obwohl du anderer Meinung bist
  • Bei Forderungen nachgeben
  • Die eigenen Gefühle nicht zulassen können.
  • Leicht beeinflussbar sein
  • Sich immer an anderen orientieren müssen (Welche Kleider tragen die anderen? Was wirst du dir zum Essen bestellen?)

Der Angreifer:

Manchmal können wir nicht flüchten, wir können uns nicht anpassen und gehen auf Angriff. Typische Beispiele:

  • Energisch werden
  • Zu schreien beginnen
  • Den andern Vorwurf machen
  • Den anderen nicht zu Wort kommen lassen
  • Mobbing gegen Arbeitskollegen
  • Jemanden geringschätzen
  • Über andere herziehen

Schritt 2: Die Wachstumsübung

Worum geht es?

Wenn wir immer wieder die gleichen Probleme erleben, liegt es daran, dass auch wir einen Teil dazu beitragen. Nicht immer sind die anderen Schuld.

In diesem Schritt geht es darum, herauszufinden, welche der drei Jammertalmuster besonders dominant sind. Das funktioniert mit einer Übung aus dem Coaching sehr gut.

Übung: das Rollenspiel:

Ziel dieser Übung ist es, herauszufinden, welches Verhaltensmuster (Flüchten, Anpassen, Angreifen) besonders dominant ist. Du wirst dich dadurch besser kennenlernen.

Achte während der Übung auf deine Gedanken und deine Gefühle.

Ablauf

nicht loslassen könnenEs gibt Situtationen, in denen wir nicht loslassen können. Wir möchten uns so ein Geschehen genauer betrachten.

Nimm dir eine Situation aus deinem Leben, die dir Stress verursacht. Eine Situation, in der du mit einem anderen Menschen nicht klargekommen bist. Es kann ein Streit, eine Diskussion oder ein Konflikt gewesen sein. Lege dir einen Notizblock und einen Stift zur Seite und gehe wie folgt vor:

  • Geh zuerst in die „Ich-Position“. Du siehst dich selbst in dieser Situation. Was nimmst du wahr? Was denkst du? Was fühlst du? Notiere deine Eindrücke.
  • Wechsle dann auf die „Du-Position“. Nimm die Situation aus der Warte deines Gegenübers wahr. Versuche jetzt ganz in die Rolle des anderen zu schlüpfen. Was denkst und fühlst du als der Andere über diese Situation? Was fühlst du als der Andere in dieser Situation? Es geht hier nur darum, den anderen in seiner Rolle wahrzunehmen. Notiere deine Eindrücke.
  • Nimm abschließend die Position eines Beobachters wahr. Was fällt dir auf, wenn du dich von außen siehst? Was fällt dir auf wenn du den anderen von außen siehst? Wie gehen beide miteinander um? Notiere deine Eindrücke.

Nachdem du alle Positionen durch bist, lies dir deine Notizen durch. Jetzt versuche herauszufinden, welcher Jammertaltyp du in dieser Situation warst. Warst du eher der Fluchttyp, oder der Angreifer? Oder warst du der Anpassungstyp. Notiere dir deine Erkenntnisse.

Schritt 3: Wie loslassen lernen wirklich funktioniert

Wenn du das Rollenspiel ernsthaft gemacht hast, dann hast du schon einen riesen Schritt in Richtung Loslassen lernen gemacht.

Du hast erkannt, wie der andere gedacht und gefühlt haben könnte. Allein diese Position hilft dir, eine andere Sichtweise zu erlangen.

Auch die Rolle des Beobachters ist enorm wichtig. Hier kannst du Dinge wahrnehmen, die der Ich-Position verborgen bleiben.

Der nächste Schritt besteht darin, zu erkennen, wie du aus dem ganzen wachsen kannst.

Stelle dir dabei folgende 2 Fragen:

  • Wie kann ich das Ganze noch sehen?
  • Wie kann ich dadurch wachsen und lernen?

Als Beispiel möchte ich dir einen Klassiker, den ein jeder Stadtmensch schon mal miterlebt hat, erläutern.

Neulich ist mir folgendes passiert:

Ich hatte es eilig. Ich lief die Treppe hinunter, um die Straßenbahn noch zu erreichen. Ich war mir sicher, dass mir das gelingen würde. Schließlich hat mich der Straßenbahnlenker gesehen und meine Körpersprache war eindeutig. Was hat dieser nette Mann gemacht? Richtig! Er hat vor meiner Nase die Tür zu gemacht und ist ohne mich losgefahren.

So eine Frechheit. Der hat mich anlaufen lassen. Die Straßenbahn war weder überfüllt, noch gab es einen anderen Grund mich so stehen zu lassen. Es war rein die böse Absicht des Straßenbahnfahrers. Du kannst meinen Ärger sicher nachvollziehen.

Doch halt. Wie war das nochmal? Ich soll mit dem Finger nicht auf den anderen zeigen?

Ach ja!

Wie könnte ich diese Situation noch sehen?

Der nette Herr Straßenbahnfahrer war in dieser Situation mein Trainigspartner. Wie? Mein Trainingspartner? Ja, richtig!

Er hat mir gezeigt, was für einen Müll an negativen Gefühlen und Gedanken ich so fühlen und denken kann. Von Hölle angefangen bis zu Folter habe ich ihm alles gewünscht.

Und das waren meine Gefühle. Sie sind Gefühle zuerst durch mich gegangen.

Wie kann ich das Ganze noch sehen?

Ich hatte etwas Zeit zu Verschnaufen. Denn ich musste zu einem wichtigen Termin. Ich konnte mich in der nächsten Straßenbahn geistig auf diesen Termin vorbereiten.

Natürlich kannte ich die Sichtweise-Übung schon und ich habe sie sofort gemacht, als mir bewusst wurde, in welchem Gefühlzustand ich war. Schlagartig hat sich meine Stimmung geändert und nach wenigen Augenblicken hatte ich diese Situation schon vergessen. Ich bin aufgrund der Änderung meiner Sichtweise sofort von den belastenden Gedanken und Gefühlen frei geworden.

Ich denke, dir ist klargeworden, worum es bei der Sichtweise-Übung geht. Du selbst solltest deine Gefühle und deine Gedanken bestimmen. Und keine Einflüsse von außen sollten Macht über dich übernehmen.

Wenn du diese Übungen durchlaufen hast, dann ist auch eine Loslass-Übung, wie die Sedona-Methode, sinnvoll. Dann hast du das Kraut an der Wurzel gepackt und aus deinem Beet des Unterbewusstseins entfernt. Und hast die Gefahr der Verdrängung gebannt.

Zum Abschluss möchte ich dir eine nette Metapher von Buddha mitgeben:

Eines Tages erblickte der Buddha mit seinen Schülern einen wunderschönen Garten. Er dachte sich: „Dieser Garten ist so schön. Hier möchte ich meine Schüler unterrichten.“ Sie betraten den Garten. Als Buddha mit seiner Unterweisung begann, kam plötzlicher der Besitzer des Gartens und begann mit Buddha zu schimpfen und ihn zu ermahnen. Der Buddha lächelte den armen Mann sanft an und meinte: „Danke für die Einladung mit dir zu streiten. Aber ich brauche das nicht mehr“. Daraufhin verließen sie den Garten.

Fazit

Es gibt viele Loslass-Übungen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass diese Übung nicht wirklich funktionieren. Sie lösen das Problem nicht an der Wurzel. Es kann sogar zu einer Verdrängung kommen.

Wenn du von einer belastenden Situation wirklich befreit werden möchtest, dann musst du zu einer anderen Sichtweise kommen. Jeder seelische Schmerz befördert uns automatisch in das Jammertal. Und aus dem Jammertal kommst du nur sehr schwer raus. Ich habe dir eine Übungsreihe zusammengestellt, mit der du dich selbst von seelischen Belastungen befreien kannst. Diese Übungen habe ich schon oft an mir selbst und an meinen Klienten aus der Praxis ausprobiert. Sie funktioniert zu 100 %. Aber glaube mir nichts, sondern probiere es selber aus. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

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