Atem ist Leben – ohne Atem gibt es kein Leben. In den meisten Meditationsschulen wird vom “richtig Atmen” gesprochen. Im Yoga, im Autogenen Training, im Buddhismus. Der Atem ist sehr wichtig. Aber warum ist das so? Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Beweise dafür, dass der Atem wahre Wunder bewirken kann. In diesem Artikel zeige ich dir wie du mit der 60 Atemzügetechnik die Macht des Atems für dich nutzen kannst.

“Wie oft hast du heute schon geatmet?”

Du weißt es nicht. Ist halb so schlimm, ich weiß es auch nicht! Und trotzdem bist du am Leben!
Hast du gewusst, dass jeder Atemzug lebenswichtig ist!? Ein jeder Atemzug versorgt eine jede Zelle deines Körpers mit all dem was sie braucht. Und es gibt viele Zellen in deinem Körper. Sehr viele sogar. Joachim Schüring schreibt in seinem Artikel auf Spektrum.de, dass es ca. 100 Billionen Zellen in einem erwachsenen Menschen gibt. Unglaublich! Und bei einem simplen Atemzug werden 100 Billionen kleine Lebewesen in dir mit Leben versorgt. Du hast richtig gelesen. Eine jede Zelle ist ein in sich abgeschlossene lebensfähige Einheit.

Es ist ganz einfach. Beim Einatmen strömt neue Luft in dich hinein und beim Ausatmen verlässt dich die verbrauchte Luft. Die verbrauchte Luft beinhaltet sie CO2. Die Pflanzen brauchen dieses CO2 zum Leben. Sie wandeln es in der Photosynthese um in Sau(b)erstoff. Wir brauchen das CO2 und eine Menge anderer Dinge nicht. Sie würden uns sogar schaden, wenn sie in unserem Körper bleiben.

Richtig Atmen: aber wie?

Die Wahrheit ist, dass es kein richtig Atmen oder falsch Atmen gibt. Es gibt verschiedene Atemtechniken. Aber jeder Atemzug spendet dir Leben. Und dazu ist der Atem da. Er soll dir Leben geben. Das Besondere ist allerdings, wenn du deinen Atem mit deinen Gedanken verbindest, dann kannst du deine innere Schatzkammer aktivieren. Und das machen auch viele Meditationsmeister und Yogix. Hast du schon mal die Shaolin-Mönche beobachtet? Sie machen Energie und Atemübungen, bevor sie unglaubliche Dinge vollbringen.

Atemtechnik

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du die Luft in deinen Körper einströmen lassen kannst.

  • Flachatmung oder auch Brustatmung
  • Tiefenatmung
  • Vollatmung oder auch Bauchatmung

Du kannst oberflächlich atmen, du kannst tiefatmen oder du atmest in einem bestimmten Rhythmus. Die normale Atmung wird oft als “Flachatmung” benannt.

Die Flachatmung

Die Flachatmung ist jene Atmung, die du unbewusst ausführst. Sie ist die häufigste Atmung. Sie bringt den Sauerstoff in deinen Organismus und hilft dir am Leben zu bleiben. Immer wenn du nicht daran denkst, atmest du flach. Sobald du beginnst den Atem bewusst wahrzunehmen, beginnst du automatisch deinen Atem zu beeinflussen. Und daraus entsteht meist eine Tiefenatmung.

Die Tiefenatmung heisst deswegen Tiefenatmung, weil du tief einatmest und tief wieder ausatmest. Der Sinn besteht darin, dass du mehr Sauerstoff und mehr Lust in deinen Organismus bekommst. Durch dieses mehr an Sauerstoff und Luft funktioniert auch die Zellatmun anders. Sie wird aktiver und die Zellen können besser miteinander arbeiten. Der ganze Stoffwechsel wird dadurch angeregt. Wenn du die Teifenatmung einige Zeitlang trainierst, wirst du bemerken, dass sich deine ganze Verdauung und dein ganzes Körperbewusstsein verändert.

Übung: Tiefenatmung

Richtig atmen bei der Tiefenatmung braucht zu Beginn etwas Übung. Diese kann im Sitzen, Stehen oder Liegen durchgeführt werden.
Lege eine Hand (egal ob rechts oder links) auf deinen Bauch. Beim Einatmen sollte sich die Hand heben und beim Ausatmen sollte sich deine Hand senken. Versuche nur deine Atmung zu beobachten. Versuche die Atemluft, die in dich hineinströmt zu beobachten.

Übung: Vollatmung und Bauchatmung

Die Bauchatmung und die Vollatmung sind im Prinzip dasselbe. Du atmest ganz tief in den Bauch ein und dieser sollte sich heben. Viele meinen, dass diese Atmung das “richtig Amten” darstelle.
Lege deine Hand (egal ob rechts oder links) auf deinen Bauch und konzentriere dich auf deinen Atem. Beim nächsten Atemzug atme so tief du kannst in den Bauch. Deine Hand und dein Bauch sollten sich heben. Nachdem der Bauch angespannt ist atme weiter. Atme in die Brust. Auch der Brustkorb sollte sich heben. Wenn du nicht mehr weiter einatmen kannst, halte den Atem für 3 Sekunden und danach atme wieder aus. Zuerst senkt sich wieder der Bauch und danach der Brustkorb. Es ist üblich, dass das Ausatmen länger dauert, als das Einatmen. Nachdem du ganz ausgeatmet hast, halte den Atem wieder 3 Sekunden an.

Diese Übung nenne ich auch Kraftatmung. Sie gibt dir Kraft und Selbstsicherheit. Mache mindestens 7 Atemzüge hintereinander. Nach diesen 7 Atemzügen spüre in dich hinein. Du wirst ein kribbeln bis in die Haarspitzen bemerken. Mache diese Übung mindestenst 1x am Tag.

Was passiert beim richtig Atmen?

Hast du schon mal eine Situation erlebt, in der dir die Luft weggeblieben ist, weil du vielleicht Angst hattest oder unter Stress warst. In solchen Situationen ist richtig atmen sehr ratsam. Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern. Ich hatte einen Deutschlehrer vor dem ich mich echt gefürchtet habe. Jedes Mal wenn ich mit dem Vorlesen an der Reihe war, blieb mir die Luft weg. Ich konnte nicht mehr klar denken und hatte ein völliges Blackout. Verschlimmert wurde die Situation dann noch durch nicht sehr hilfreiche Kommentare von meinem Lehrer.

Was passiert in so einer Situation?

Das Steinzeitgehirn

Laut der Evolutionstheorie sind wir mit der Tierwelt sehr eng verwandt. Unser Gehirn besteht aus mehreren Teilen. Unter anderem haben wir ein Steinzeitgehirn (limbisches System) in uns, das sich in der Steinzeit entwickelt hat. Dieses limbische System hilft uns bei der Verarbeitung von Emotionen und gleichzeitig ist es maßgeblich an der Entstehung von unserem Triebverhalten beteiligt.

Und was meinst du, was ist der stärkste Trieb in uns?

Genau, der Überlebenstrieb.

Der Überlebenstrieb ist der stärkste Trieb des Menschen

Unsere steinzeitlichen Vorfahren mussten ständig wachsam sein. Um zu überleben. Doch nicht nur wilde Tiere machten unseren Vorfahren zu schaffen. Nein! Auch Kontrahenten trachteten nach Besitz und Leben. So hing das Überleben des Einzelnen davon ab, wie gut er in der Lage war, seine Besitztümer zu verteidigen.

Manche entwickelten dabei ein Fluchtverhalten und andere verteidigten mit Klauen und Zähnen ihr Hab und Gut. Und genau das tun wir heute auch noch. Wenn wir angegriffen werden, dann laufen einige davon und andere gehen auf Angriff. Hast du dich in solchen Situationen schon mal beobachtet?

Bist du eher ein Fluchttier oder ein Angriffstier?

Das hängt mit deiner genetischen Veranlagung zusammen und kannst du selbst nur schwer ändern.

Sagt z. B., jemand „du hast nicht recht“ oder „du bist blöd“ kommt es darauf an, wie dein limbisches System veranlagt ist. Entweder auf Angriff oder auf Flucht. Doch beide Wege haben eines gemeinsam.

Dein ganzes Nervensystem schaltet um auf Stress

Und wenn ein lebender Organismus Stress bekommt, dann werden die lebenserhaltenden Systeme mit mehr Energie versorgt. Es wird vom Gehirn alles getan, damit der Mensch oder auch das Tier, alle Kraft für den Angriff oder für die Flucht hat.

Und diese Stresssituation hat Auswirkung auf:

  • Das Denken (wir können nicht mehr klar denken)
  • Die Atmung
  • Die Körpertemperatur
  • Den Herzschlag
  • Die Verdauung
  • Die Muskelspannung

Wir wissen jetzt, dass sich eine steinzeitliche Sichtweise auf unseren Körper auswirkt. Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur, Verdauung und Muskelspannung werden dem scheinbaren Bedarf angepasst.

Selbst wenn in Wirklichkeit kein Grund vorhanden ist, wird unser Körper darauf vorbereitet, wegzulaufen oder zuzuschlagen.

Wir haben jedoch die Möglichkeit selbst in solch stressigen Situationen die Kontrolle wieder zurückzugewinnen. Wir können mit sehr einfachen Mitteln Einfluss auf uns selbst nehmen. Denn eine dieser Reaktionen steht auch unter Druck noch in unserem Einflussbereich.

Was meinst du, welche Funktion wäre das? Welche könnte das sein? Den Herzschlag, die Verdauung, die Muskelspannung oder……..

Richtig geraten. Die Atmung. So wird auch in Schocksituationen von den Therapeuten empfohlen sich zuerst einmal auf die Atmung zu konzentrieren. Das Gehirn pulsiert nicht im Takt des Herzschlages, sondern im Tagkt der Atmung.

Die Atmung können wir selbst unter größtem Druck noch immer beeinflussen. Sie ist ein perfektes Hilfsmittel, mit dem es möglich ist, unser Gehirn klarzumachen, dass Kampf oder Flucht nicht nötig ist.

Wenn der Körper mit Stresshormonen überflutet wird, dann verändert sich auch unser Atem. Er stockt, wird flacher und schneller. So ist jede negative Sichtweise eine Störung unserer Atmung. Auch wenn sie nur geringfügig ist. Sie wirkt sich auf unser Gehirn und in weiterer Folge auf den ganzen Körper und deren Funktionen aus. Vor allem auf die Muskelspannung. Daher sind Menschen, die innerlich häufig unter Stress stehen oft verspannt am Rücken oder am Nacken.

Unser Gehirn weiß also, wer schnell, flach und unrhythmisch atmen, muss unter Stress stehen.

Unser Gehirn weiß aber auch: Amten wir ruhig und entspannt, befinden wir uns in Sicherheit, so dass der Kampf- oder Fluchtmodus nicht nötig ist.

Stressatmung = Gefahr und Bedrohung

Entspannungsatmung = alles o.k.

Atemtraining

Wir wissen also, dass wir mit unserer Atmung auf unser Gehirn Einfluss nehmen können. Die Frage ist allerdings, wie wir das machen sollen?

Aus verschiedenen Tests ist bekannt, dass mindestens 60 bewusste Atemzüge dafür notwendig sind. Und die Atmung muss in den Bauch geschehen. Wir sind die flache Atmung gewohnt. Die Luft wird beim Einatmen hauptsächlich in den Brustraum gehalten und beim Ausatmen senkt sich der Brustraum wieder.

Bei der Bauchatmung (Vollatmung wie oben beschrieben) wird die Luft bis in den Bauch geatmet. Dh., beim Einatmen hebt sich zuerst der Bauch und dann der Brustkorb. Wenn die Spannung am höchsten ist, dann senkt sich zuerst wieder der Bauch und dann der Brustkorb.

Die 60 Atemzüge

Bauchatmung (richtig Atmen) im Sitzen: Nimm eine gerade Sitzhaltung ein (am besten auf einem Stuhl), Wirbelsäule gerade, Kopf hoch (Kinn parallel zum Boden), Beine und Arme nicht überkreuzen. Nun lege eine Hand (egal ob rechts oder links) auf den Bauch (zwischen Nabel und Brustbein), Konzentration in Nabelhöhe und bewusst gegen die Hände ein- und ausatmen. Beim Einatmen gehen die Hände und der Bauch nach vorne, beim Ausatmen nach hinten. Entspannt und konzentriert atmen.

Jetzt beginne bei 60 zu zählen. Bei jedem Atemzug zählst du nach unten. 60, 59, 58, 57 usw. Mit dem Rückwärtszählen förderst du gleichzeitig deine Konzentration. Wenn du eine Zahl vergisst oder auslässt, ist das kein Problem. Zähle einfach weiter.

Also hier nochmals kurz die Zusammenfassung der Atemübung:

  • Atme 60 Atemzüge (ruhig, regelmäßig, in einem selbst bestimmten Tempo)
  • zähle im Countdown (von 60 bis 1) und
  • Spüre in dich hinein (wie fühlt es sich an, so zu atmen?)

Ziehe dich für diese Übung in eine ruhige Umgebung zurück. Du kannst sie z.B. in der Mittagspause machen.

Natürlich sind auch kurze Atemübungen, die du zusätzlich machst super. Wenn ich z.B. im Supermarkt in der Warteschlange stehe, dann beginne ich (mit offenen Augen) zu atmen und zu zählen. Hier mache ich meist einen 10er Zyklus. Diese Übungen sind allerdings zusätzlich. Für die 60iger Übung nehme ich mir 1x am Tag Zeit.

Mache diese Atemübung für die nächsten 21 Tage mindestens 1x mal am Tag. Du wirst die Technik: richtig Atmen mit 60 Atemzügenn och ausgeglichener in deinem Leben. Du wirst mehr Energie und mehr Lebensfreude verspüren. Du kannst deine Atemübung erweitern, indem du dir vorstellst, dass bei jedenm Einatmen mehr Lebensfreude in dich hineinströmt und beim Ausatmen alles Ungute und Unerwünschte dich verlässt.

Wann wirst du mit den 60 Atemzügen beginnen?

Pin It on Pinterest